Ausstellung von 11. März bis 3. April
Buchpräsentation am 10. und 16. März
Tanja Prušniks künstlerische Fortsetzung der Serie unter dem Kürzel „gnp“, aus dem Gedenkjahr 2005, „UTOPIA_gnp2“, setzt die Darstellung einer „anderen“ Art Landschaft fort – eine Landschaft mit politisch-geschichtlichem Hintergrund. Die dargestellte Landschaft, nunmehr fast „konkretisierter“, die stilisierte Natur im Raum, sollte zum Verweilen einladen, jedoch zu einem zurückblickenden Verweilen in einer geprägten Zeit und ihrer Umgebung. Symbol für die Utopie der Freiheit, nunmehr eine gelebte!
Die Serie entstand im Zuge einer Umschlaggestaltung für die Neuauflage von „Gämsen auf der Lawine“ von Karel Prušnik-Gašper, in dem der Widerstandskampf der Kärntner Partisanen gegen das mörderische Dritte Reich und die nationalsozialistische Gewaltherrschaft von 1938 bis 1945 beschrieben wird.
Die künstlerische Aufarbeitung dieser Thematik ist eine sehr persönliche und eine nicht enden wollende. Es ist die eigene Geschichte, eine Art Vergangenheitsbewältigung einer zwar nicht selbst erlebten, jedoch noch immer präsenten Familienhistorie. 71 Jahre kann aber auch jene Zeitspanne sein, die die nachfolgenden Generationen brauchen, um Geschehnisse verarbeiten zu können, die weit über persönliche Geschichten reichten, vielmehr Teil einer Historie wurden.
Anlässlich der Verleihung des Ehrendoktorats der Universität Klagenfurt an Peter Handke am 8. November 2002 empfahl der solcherart Geehrte allen im Auditorium Anwesenden das Buch mit der Aufforderung „Lesen Sie gefälligst!“ zur Lektüre. Peter Handke selbst las dieses Buch etliche Male und versah es mit Anmerkungen und Kommentaren, trug in seinem Handexemplar die Daten seiner eigenen Familienbiographie ein und überlagerte sie mit den Schilderungen in Gašper-Prušniks Buch. Anklänge von „Gamsi na plazu“ wirken auch in Handkes „Immer noch Sturm“ (Suhrkamp Verlag, Berlin 2010) nach.
Zur Ausstellung
Es dominieren farblich drei (symbolische) Grün- bis Brauntöne – Natur, Wald, Schutz, Geborgenheit in all seiner Rauheit. Die Überschreitung der „Bildformate“ in das Objektuale wird in Form der Bild-Stelen als säulenartige Architekturgebilde „aus“ Bildern fortgesetzt. Diese architektonische Anordnung zwingt den Rezipienten gleichsam dazu, verschiedenste Blickwinkel einzunehmen. Der Betrachter bzw. die Betrachterin müssen aktiv werden, um die verschiedenen Ansichtsmöglichkeiten auszuloten und um jeweils das von einem bestimmten Blickwinkel aus „Verborgene“ im wahrsten Sinne des Wortes zu „ersehen“. Tanja Prušnik inszeniert mit ihren Bildarchitekturen eine beinahe unendliche Variabilität der Erscheinungsweisen ihrer Bildobjekte – jeder Betrachter muss sich so eine eigene Wahrnehmungs- und davon abhängige Erscheinungsform „erarbeiten“. In dieser Vervielfachung und Variabilität der möglichen Bildansichten erweist sich die „Relativität“ des Sichtbaren, das eben immer nur „in Relation“ zu einem „Beobachter“ erscheint. Alles mit einem Blick zu sehen, bleibt eine Utopie, aber man kann vieles sehen …(Auszug Erwin Fiala)
Wahrnehmungssensibilisierung als Strategie einer künstlerischen Intervention und die Stele als visuell ausgerichteter Anreiz zum Perspektivenwechsel stehen im Fokus dieser Ausstellung mit Arbeiten von Tanja Prušnik. Die explizite Frage nach dem Blickwinkel, dem Standpunkt innerhalb eines möglichen Gesamten stellt die Architektin und Künstlerin aus Kärnten/Koroška bewusst in dem Raum. Ihre Objekte fordern die Betrachtenden intuitiv dazu auf, genau hinzuschauen, Perspektiven zu ändern, die Wahrnehmung zu schärfen und auch das Dahinter – die sichtbar gemachte Rückseite – zu bemerken.
Tanja Prušnik entzieht in ihrer diesbezüglichen Serie dem einzelnen abstrakten Gemälde seine solitäre Individualität und stellt es in den Kontext einer neuen Ordnung. Zu Stelen angeordnete Bilder, gestapelt und durch in ihren Abständen exakt bemessene Spalten sichtbar gemacht, doch niemals im Gesamten, sondern je nach Betrachtungsblickwinkel und Perspektive liegend oder schwebend, wirken irritierend und hinterfragen herkömmliche Sehgewohnheiten.



