7. – 31. 3. 2014

Ausstellung von Anja Jerčič Jakob

Korotan Slowenisches Kulturzentrum, Slovenski kulturni center 
Albertgasse 48, 1080 Wien

Der Realismus in der Malerei wirkt auf die Wahrnehmung des Betrachters durch schnelles Erkennen von Formen und Identifikation des Ähnlichen mit der Realität des Alltags. Anja Jerčič Jakobs Bilder gehen über das Erkennen von Körpern und Räumen auf der Oberfläche hinaus. Mit illusionistischen Effekten erweckt die Künstlerin den Eindruck, dass die dargestellten Gegenstände real sind und man sie berühren kann. Beim Klee trifft dies zu; doch bei einigen Bildern wird der Übergang vom realen in den imaginären Raum und zurück mit einem Blatt Papier betont, das aussieht, als wäre es mit Klebeband auf die Leinwand befestigt worden. Diese optische Täuschung, dieses Trompe-l’œil erweckt im Betrachter das Gefühl, dass das Bild manchmal anschwillt, um dann wieder abzuflachen und sich schließlich in sich selbst anzuspannen. Manchmal scheint es, dass das Bild atmet.

Vasja Nagy

Die Ausstellungseröffnung findet am 6. März um 19 Uhr statt.

Anja Jerčič Jakob wurde 1975 in Slovenj Gradec (Slowenien) geboren. Sie lebt und arbeitet als freie Künstlerin in Ljubljana. Sie diplomierte an der Akademie für bildende Kunst und Design in Ljubljana, wo sie 2004 das Magisterstudium der Grafik sowie 2007 das Magisterstudium der Malerei abschloss.

  • Preise:
  • Preis der Akademie für bildende Kunst in Ljubljana für das Jahr 2004 (2004)
  • 4. Biennale der Kleinformatbilder, Ljutomer, Slowenien, 1. Preis (2006)
  • Auszeichnung für bedeutende künstlerische Arbeiten, Universität Ljubljana (2011)
  • Ausstellungen (Auswahl):
  • 2013
  • Galerie Imago Sloveniae, Ljubljana: Drevesa (Bäume)
  • Galerie »S«, Burg von Ljubljana: Dezemberverkaufsausstellung ZDSLU (Union of Slovene Fine Arts Association) »Mladi avtorji – veliki formati« (Junge Autoren – Große Formate), Tina Dobrajc, Anja Jerčič, Barbara Jurkovšek, Mito Gegič
  • 2012
  • Museum Velenje, Velenjski grad: Kuriozum (Kuriosum)
  • 2011
  • Galerie Bežigrad 1, Ljubljana: Rokovanja (Handschläge)
  • Galerie Equrna, Ljubljana: Okus po slikarstvu (Geschmack nach Malerei, Gruppenausstellung)

http://www.anjajercic.si/

Die realistischen Darstellungen von Pflanzen können wir durchgehend mindestens bis zu den spätmittelalterlichen Handschriften zurückverfolgen, wo sie als Ornamente und Marginalien den Raum der Malerei ausfüllten und die Inhalte symbolisch bereicherten. Später, etwa bei Albrecht Dürer, wird das Motiv der Pflanze verstärkt zu Naturstudie und Beobachtung der Formen, die sich darin aufhalten. Erst im Barock und der damit einhergehenden Beliebtheit der Stillleben reift die Verselbstständigung diverser Gegenstände heran, die in den Darstellungen nicht mehr an Ereignisse, Persönlichkeiten oder mythologische und andere Erzählungen gebunden sind. Motive der Jagdbeute, Speisen und glänzenden Reichtums erfreuen sich vor allem als Memento mori, als moralistische Ermahnung der Vergänglichkeit des irdischen Lebens, großer Beliebtheit. Jeder Gegenstand trägt eine genau bestimmte ikonografische Bedeutung in sich, und zusammen mit weiteren abgebildeten Gegenständen verflicht es sich zu einem komplizierten Rätsel, Spiel oder Poesie. Die ausgewählten Kombinationen mussten die damalige Aristokratie und das aufstrebende Bürgertum sowohl von ästhetischer als auch intellektueller Seite beunruhigt, zugleich aber durch ihre hervorragende Technik Prestige ausgestrahlt haben. Doch Prestige war auch in den gemalten Gegenständen erkennbar, und geschnittene Blumen bilden hier keine Ausnahme. Heute sind wir es gewohnt, die Pracht der verschiedensten üppigen Blumen für ein paar Münzen beim Floristen um die Ecke zu bekommen, doch vor 300 Jahren war eine einzige Blüte unter Umständen unerschwinglich. Hier stellt sich zu Recht die Frage, ob es nicht günstiger gewesen sein mag, das Gemälde eines Blumenstraußes zu ordern anstatt ausgewählte Pflanzen in eine Vase zu stellen. So wie sich in der Poesie die Bedeutung der Worte herauskristallisiert oder vertieft, so geschah dies auch mit einer individuellen Reihe an Blumen, die ihren Platz auf Gemälden fanden. Jede Kombination war nicht nur eine ästhetisch abgestimmte Auswahl, sondern auch eine bedeutungsvolle Nachricht an den Betrachter. Heutzutage beschäftigen sich die meisten Museumsbesucher nicht mit der Symbolik der Blumen, auf die sie in den Hallen treffen, und verstehen sie auch nicht. Viele gehen in der Auffassung weiter, es handle sich um eine zufällige und rein ästhetische Auswahl, für etwas, was nur schön aussieht. Diese kristallklaren Bilder bleiben für die meisten Besucher bedeutungstechnisch in dichtem Nebel verborgen. Darin ähneln sie im Prinzip sehr den Werken der modernen Kunst, die zu einem großen Teil von hermetischer Bedeutung sind. Sie sind auf subjektiven Mythologien, Kosmologien, Studien und Bekenntnissen gebaut. Das Archetypische beziehungsweise Allgemeine teilt sich durch das Partikuläre und Persönliche mit. Alte Darstellungen von Blumen weichen, ganz wie die moderne Kunst, dem tiefgründigen Lesen auf den ersten Blick aus. Auf ähnliche Weise verlangen sie vom Betrachter, der eine Legende erwartet, in Wirklichkeit ein Studium. So wie moderne Kunstausstellungen zahlreiche Erklärungen darüber bieten, wie die Kunstwerke zu lesen sind. Oder auch nicht. Visuelle Kunst wirkt über das Sichtbare und vermittelt ihr Wesen unvermittelt, obwohl sie ihren gesamten Code manchmal in geheime Formeln einflicht. Der Klee ist eine relativ uninteressante Pflanze. Außer begeisterten Botanikern beschäftigen sich nur die wenigsten mit ihm. Seine traditionelle symbolische Bedeutung ist vernachlässigbar, und fast alle von uns, außer Feldarbeitern, die sie weniger als Futter denn zur Regenerierung der Unterlage säen, nehmen ihn als gewöhnliches Unkraut wahr. Ökologisch betrachtet ist Klee genauso wichtig wie jede andere Pflanze auch, doch Anja Jerčič Jakob beschäftigt sich in ihren Bildern nicht damit, ansonsten könnte sie ihre Aufmerksamkeit auch zahlreichen anderen weniger berühmten Gewächsen widmen. Die Malerin fand für ihren naturalistischen Zugang im Klee die, wenn ich mich im Fotografie-Jargon ausdrücken darf, Fotogenität. Die herbarisch gepressten und getrockneten Pflanzen prahlen in ihrer Individualität. In einer zärtlich dynamischen Pose, die an einen Feentanz erinnert, besiegen sie entschieden den Tod aus der Presse. Schon die übernatürlichen Verhältnisse, in denen sie auf große Leinwände gemalt sind, hauchen ihnen Unsterblichkeit ein. Die Hypertrophie verleiht ihnen einen Monumentaleffekt, macht sie jedoch nicht zum Monument. Mit der exakten illusionistischen Technik der Nachahmung der Natur und wegen des abstrakten Hintergrunds mit oder ohne einfarbigem Oval entfernen sie sich vom Betrachter nicht in eine übernatürliche Welt. Sie überschreiten immerfort die Grenze zwischen Raum und Zeit, die sie als Wesen ans Hier und Jetzt bindet. Auch dem Mangel an ikonografischer Symbolik ist es wahrscheinlich zuzuschreiben, dass die Darstellungen des Klees eine zweifache Natur in sich bergen. Sie sind zugleich bedeutungslose ästhetische Form sowie Paradigma des Wesens, nach dessen Abbild sie geschaffen sind. Wir können sie vollkommen unvermittelt und unbeschwert wahrnehmen und uns an ihrer Form ergötzen. Andererseits aber können wir uns ihrer Lebendigkeit überlassen und jede wegen ihrer Individualität bewundern. Dr. Nadja Zgonik beschrieb dies als „Muster auf der Unterlage und Subjekt zugleich.“ Der Realismus in der Malerei wirkt auf die Wahrnehmung des Betrachters durch schnelles Erkennen von Formen und Identifikation des Ähnlichen mit der Realität des Alltags. Anja Jerčič Jakobs Bilder gehen über das Erkennen von Körpern und Räumen auf der Oberfläche hinaus. Mit illusionistischen Effekten erweckt die Künstlerin den Eindruck, dass die dargestellten Gegenstände real sind und man sie berühren kann. Beim Klee trifft dies zu; doch bei einigen Bildern wird der Übergang vom realen in den imaginären Raum und zurück mit einem Blatt Papier betont, das aussieht, als wäre es mit Klebeband auf die Leinwand befestigt worden. Diese optische Täuschung, dieses Trompe-l’œil erweckt im Betrachter das Gefühl, dass das Bild manchmal anschwillt, um dann wieder abzuflachen und sich schließlich in sich selbst anzuspannen. Manchmal scheint es, dass das Bild atmet.

Vasja Nagy

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