Wien war in den 1920er und 1930er Jahren Schauplatz einer vielfältigen Musik-, Kleinkunst- und Kabarettszene, die wesentlich von jiddischer und migrantischer Kultur geprägt war. Besondere Berühmtheit erlangte beispielsweise die „Wilnaer Truppe“, die hier in den frühen 1920er Jahren über Monate hinweg mit großem Erfolg gastierte. Im Wien der Nachkriegszeit dagegen herrschte zwischen Burgtheater und Wiener Gemütlichkeit einsprachige Monotonie – nur wenige Künstler_innen hatten den Naziterror überlebt oder kehrten aus dem Exil nach Österreich zurück.
Seit einigen Jahren arbeiten zahlreiche Initiativen daran, die Spuren der „Kleynkunst“ wieder freizulegen und künstlerisch an diese anzuknüpfen. Das KleynKunst Theater bringt nicht nur eine zerstörte Kunstform wieder auf die Bühne, sondern lässt diese auch mit aktuellen Kulturproduktionen zusammentreffen: Was passiert, wenn jiddische Kultur der „Goldenen Zwanziger“ auf queere Performance der Jetztzeit trifft oder radikaler Klezmer aus der Zeit der „Bundisten“ sich mit Punk kreuzt?


