Das Literatur- und Filmfestival Sprachspiel. Biennale West 2026 (SBW) widmet sich in der aktuellen Ausgabe dem Motto „immer arbeiten – immer atmen“. Basierend auf H. C. Artmanns Acht-PunkteProklamation des poetischen Actes und seinem Werk Fleiß und Industrie hinterfragt SBW Konzepte von Produktivität, Freiheit und gesellschaftlicher Zugehörigkeit. Alle Veranstaltungen finden von 12.–14. Juni in der Alten Schieberkammer auf der Schmelz im 15. Wiener Gemeindebezirk statt. Der Eintritt ist frei. Vor dem Hintergrund aktueller Arbeitsrealitäten stellt SBW 2026 brisante Fragen: Welche Menschen gelten als „brauchbar“, welche als „unbrauchbar“? Wer definiert Kontrolle und Sichtbarkeit? Wer kann unter welchen Bedingungen arbeiten – und atmen? Die eingeladenen AutorInnen, FilmemacherInnen und
KünstlerInnen entwickeln unterschiedliche ästhetische und konzeptuelle Zugänge und arbeiten mit vielfältigen Verfahren der Text-, Bild- und Filmarbeit. Die slowenische Dichterin Anja Zag Golob wird bei zwei Gelegenheiten einen Beitrag zum Festival leisten:
Parasitäres Atmen?
Sonntag, 14.06.2026
13.00 – 14.00 Uhr
Lesung aus den Gedichtbänden Anweisungen zum Atmen und dass nicht
Poesie: Arbeit, Act und die poetische Existenz. Versuch einer Klärung
Sonntag, 14.06.2026
14.30 – 15.30 Uhr
»Der poetische Act ist materiell vollkommen wertlos«, schreibt H. C. Artmann in seiner »Acht-Punkte-Proklamation«. Nahezu wertlos auf dem Markt ist auch die literarische Textarbeit. Unter kapitalistischen Bedingungen verdirbt die permanente Überproduktion die Preise. Im Spannungsfeld zwischen der »Pose in ihrer edelsten Form« (Artmann) und der Notwendigkeit, die poetische Arbeit materiell zu fundieren, soll die Frage diskutiert werden, ob und wie so etwas wie eine poetische Existenz – als Prätention oder Provokation? – vorstellbar ist.
Diskussionsrunde mit Florian Neuner, Anja Zag Golob, Hel Proißl, Leonie Pürmayr und Thomas Eder
Anja Zag Golob (* 1976) ist eine der prägnantesten poetischen Stimmen Sloweniens. Sie ist Mitbegründerin und Herausgeberin des Verlags VigeVageKnjige und lebt als Autorin, Übersetzerin und Publizistin in Maribor. Auf Slowenisch liegen von ihr bisher vier Gedichtbände vor. In deutscher Übersetzung erschien zunächst der Auswahlband ab und zu neigungen (hochroth Wien, 2015) sowie das von Golob auf Deutsch geschriebene Hin-und-her-Gedicht mit Nikolai Vogel: Taubentext, Vogeltext (hochroth München, 2018). Die beiden Gedichtbände Anweisungen zum Atmen (2018) und dass nicht (2022) erschienen im Verlag Edition Korrespondenzen.
In Zusammenarbeit mit Sprachspiel. Biennale West
Foto: Kritzolina CC BY-SA 4.0



