Kuratiert von Vasja Nagy
Sieben Künstler, darunter drei slowenische, haben sich im Rahmen der Webausstellung „Was wäre wenn…und darüber hinaus“ Gedanken über Zukunft, Vergangenheit und diverse Aspekte und Szenarien gemacht.
Gani Llalloshi hat 2012 eine Bilderserie gemalt und ihr den Titel Nostalgie gegeben. Die Serie basiert auf einem traumartigen, surrealen Blick auf eine imaginäre Landschaft, umgeben von einer typischen Teppichbordüre aus der Tradition seiner Vorfahren. Nostalgie gilt als unheilbare psychische Krankheit. Sie will eine Rückkehr in die Vergangenheit und keine Rückkehr an den Ort der Sehnsucht, wie der Begriff vermuten lässt. In einer abgemilderten Form findet sich Nostalgie in jeder Generation, doch wir stellen uns die Vergangenheit meistens erst nach der Jugendzeit harmonischer und glücklicher vor als die Gegenwart. Die gute alte Zeit ist eine endlose Geschichte, eine stets wiederholte Äußerung, ein Spruch von Leuten, die älter sind als wir. Die alten Römer würden es so ausdrücken: O tempora, o mores. In guten alten Großbuchstaben natürlich.
Wir erleben unsere heutigen Gegenwart vermutlich in diesem Gemütszustand und stellen sie der Vergangenheit gegenüber, chaotisch anstatt geordnet. Doch es gibt einen Unterschied, der ins Auge fällt, wenn wir die letzten 40 Jahre mit früheren Aufzeichnungen vergleichen. Es scheint so, als ob unsere Gesellschaft im Allgemeinen – sagen wir, die globale Gesellschaft – sich um das zukünftige Überleben der Menschheit auf der Erde niemals solche Sorgen wie heute gemacht hat (wir werden später zeigen, warum das nicht der Fall ist). Angesichts des raschen Aussterbens so vieler anderer Lebensformen liegt es nahe, wissenschaftliche Verbindungen zu unseren eigenen Lebensbedingungen herzustellen. Aber es geht nicht nur ums Überleben, sondern auch darum, die Vision eines Projektes in seinem etymologischen Sinn als pro iacere, als Vor-wurf zu besitzen, als ein Vor-werfen bis in die folgende(n) Generation(en). Was immer wir von der Vergangenheit in Betracht ziehen – Pyramiden, Aquädukte, illuminierte Manuskripte, Kathedralen, in gewisser Hinsicht sogar die ersten Fabriken –, ist für eine lange Dauer, beinahe für die Ewigkeit, gemacht worden. Die Kunst, einschließlich der Moderne, verhielt sich sehr ähnlich. Es ist zwar möglich, bereits am Beginn des 20. Jahrhunderts individuelle postmoderne Gesten zu entdecken, aber der Großteil der Kunst verblieb in der alten Art und Weise bis zu dem, was wir heute zeitgenössische Kunst nennen. Der Hauptunterschied zwischen der zeitgenössischen und der modernen Kunst besteht darin, dass die Letztere stets noch dafür konzipiert war, um in Form und Bedeutung unverändert fortzudauern, während die Erstere per definitionem temporär ist. Während die Moderne zumeist noch auf der Suche nach reiner und ewiger Kunst war, funktioniert zeitgenössische Kunst vielmehr als ein Katalysator der Gegenwart. Zeitgenössische Kunst führt ihren vorübergehenden Charakter in vielen Sprachen bereits im Namen. Es geht einfach darum, dass sie in einer viel fragileren Weise als Kunst fungieren soll, als alle älteren Kunstformen, von denen die KunsthistorikerInnen übereingekommen sind, sie als Kunst zu bezeichnen. Ihr Kontext bezieht sich üblicherweise auf die nähere Umgebung, über sie hinaus wird das Kunstwerk nicht mehr als Kunst angesehen. Technisch gesprochen kann zeitgenössische Kunst als ein historischer Stil begriffen werden, der behauptet, dass alle Kunst einst zeitgenössisch war, und nur Sinn ergibt, wenn ihre Zeitgenossenschaft erklärt wird.
Zur Webausstellung geht es hier.



