Ausstellungseröffnung: 23. 4., 18:00
Im Rahmen der 24. Ausgabe der Ausstellung „Fenster zum Nachbarn“, kuratiert von Olga Butinar Čeh, werden die Malerin Anja Jerčič Jakob und der Bildhauer Marjan Drev in der Galerie des Generalkonsulats der Republik Slowenien in Klagenfurt ihre Werke präsentieren.
ANJA JERČIČ JAKOB: SPAZIERGÄNGE
Das malerische Werk von Anja Jerčič Jakob bewegt sich an einer subtilen Grenze zwischen Figuration und Abstraktion, zwischen mimetischem und nicht-mimetischem Bild sowie zwischen realistischer und surrealer Bildsprache. Ihre Bilder sind nicht als stabile Repräsentationen der Welt konzipiert, sondern als offene Felder visuellen Denkens, in denen Wahrnehmung, Erinnerung und Imagination aufeinandertreffen. In ihrer jüngeren Schaffensphase bezieht die Künstlerin ihre motivische und materielle Ausgangsbasis aus ihrer unmittelbaren Umgebung. Der motivische Impuls geht häufig von Szenen gelegentlicher oder alltäglicher Spaziergänge aus – von Übergängen durch Landschaften, Räume und Lichtatmosphären, die sich als visuelle Fragmente im Gedächtnis einschreiben. Diese Fragmente verbleiben im malerischen Prozess jedoch nicht auf der Ebene dokumentarischer Wahrnehmung, sondern werden zum Ausgangspunkt einer komplexen Transformation des Eindrucks. Es handelt sich dabei nicht um eine bloße Transkription von Beobachtungen in eine bildnerische Sprache oder um die Nutzung illusionistischer Effekte im Sinne realistischer Darstellung. Vielmehr vollzieht sich ein Prozess der Übertragung, der Übersetzung und der Transformation der Wahrnehmung in eine andere räumliche und zeitliche Dimension. Der malerische Akt entfaltet sich somit innerhalb einer eigenen Zeitlichkeit des künstlerischen Prozesses, in der sich die ursprüngliche Erfahrung des Raumes allmählich durch Schichtungen der Farbe, gestische Spuren und kompositorische Verschiebungen verändert. In diesem Sinne sind ihre Landschaften nicht lediglich Darstellungen konkreter Orte, sondern Felder visueller Reflexion, in denen sich die Materialität der Farbe und die malerische Geste mit der Erfahrung der Bewegung durch die Landschaft verbinden. Das Bild erscheint als offener visueller Organismus – als ein Raum der Forschung, in dem die Künstlerin eine bewusste Haltung von Freiheit, Experiment und intuitiver Erkundung des malerischen Mediums bewahrt.

Anja Jerčič Jakob (Slovenj Gradec, 1975) studierte an der Akademie der bildenden Künste und des Designs, wo sie im Jahr 2000 ihr Studium der Malerei unter der Betreuung von Prof. Emerik Bernard abschloss. An derselben Akademie absolvierte sie 2004 ihr Magisterstudium der Grafik (Mentor: Prof. Branko Suhy) und 2007 ihr Magisterstudium der Malerei (Mentorin: Prof. Metka Krašovec). Seit dem Jahr 2000 ist sie als bildende Künstlerin, die im Bereich der Malerei, Grafik und Buchillustration tätig ist, aktiv im slowenischen und internationalen Kulturbereich präsent. Ihre Werke sind in zahlreichen Sammlungen von nationaler Bedeutung vertreten. Seit 2016 ist sie an der Pädagogische Fakultät der Universität Ljubljana tätig, wo sie derzeit als außerordentliche Professorin für Malerei arbeitet.
MARJAN DREV: TORUSEN UND PAARE
Das zentrale Motiv der vorgestellten skulpturalen Arbeiten von Marjan Drev ist der Torus, verstanden als eine äußere bzw. tragende Form, in die unterschiedliche Objekte und skulpturale Inhalte eingefügt oder „montiert“ werden. In diesem Kontext fungiert der Torus als räumliches Umfeld, innerhalb dessen für ein skulpturales Element eine ideale kompositorische Position gefunden und zugleich ein Maximum an Dynamik zwischen Masse, Leere und Raum entfaltet werden kann. In Drevs Bildhauerei wirkt der Torus schließlich als archetypisches Modell der Komposition, das drei grundlegende Elemente der Plastik verbindet: Volumen (Masse), Leere (Öffnung) und die Zirkulation des Raumes. Aufgrund dieser Struktur ermöglicht der Torus ein Verständnis der Skulptur als dynamischen Organismus des Raumes, in dem sich Innen und Außen kontinuierlich durchdringen. Gerade deshalb ist er zu einer der zentralen impliziten Formen des modernistischen und zeitgenössischen skulpturalen Denkens geworden, das auch Drev in seinem Werk systematisch erforscht. Der Torus, der auch in der Ausstellung präsentiert wird, weist den niedrigsten Grad der Torsion – also die geringste Verdrehung bzw. Spannung (180°) – und damit auch das niedrigste energetische Potential auf. Er ist aus patinierter Terrakotta gefertigt.

Marjan Drev (geb. 1955 in Celje) ist ein akademischer Bildhauer, der an der Akademie der Bildenden Künste in Ljubljana studierte und dort 2015 auch in Kunsttheorie promovierte. Er hatte 24 Einzelausstellungen und ist Schöpfer von zehn öffentlichen figürlichen Denkmälern aus Bronze und Stein in der Steiermark, im Prekmurje, in der Dolenjska und in der Bela krajina; in den letzten Jahren widmet er sich dem Projekt Forma viva Kaniža. Neben seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich auch mit Kunsttheorie, hält Vorlesungen über zeitgenössische bildende Kunstpraktiken und erforscht Fragen der skulpturalen Komposition und des Raums. Im Jahr 2024 erhielt er den Preis der Bildhauerinnung.
(Text: Olga Butinar Čeh)



