Slowenische Literatur findet, bis auf wenige Ausnahmen, im deutschsprachigen Raum bisher nur geringen Anklang, was natürlich nichts mit der Qualität der Texte zu tun hat, sondern einzig der Tatsache geschuldet ist, dass es sich um ein kleines Land handelt, das im großen Topf Europa nur langsam als eigenständiger kultureller Bereich wahrgenommen wird.
Diesem Umstand haben am 25. April das Slowenische Kulturinformationszentrum SKICA und das Literaturhaus Wien entgegengewirkt, indem vier junge slowenische AutorInnen eingeladen wurden, einen Einblick in ihr durchaus sehr vielfältiges und vielschichtiges Schaffen zu gewähren. Katja Perat, Nataša Kramberger, Nejc Gazvoda (der aus terminlichen Gründen nicht erscheinen konnte, weswegen er von der Übersetzerin Metka Wakounig vertreten wurde) und Goran Vojnović stellten sich dem Publikum zunächst lesend vor. Die Texte wurden auf Slowenisch vorgetragen, während die deutschen Übersetzungen auf eine Leinwand projiziert wurden, was die Besucher äußerst positiv aufnahmen. Vor allem die bilingualen Gäste bekamen so die Möglichkeit, zwischen Deutsch und Slowenisch hin und her zu schalten und die Wirkung der Texte in der jeweils anderen Sprache miteinander zu vergleichen.
Nach der Lesung wurde unter der Leitung von ORF-Literaturkritikerin Katja Gasser mit den vier AutorInnen und dem Übersetzer Aleksander Studen-Kirchner über den Stand derslowenischen Literatur diskutiert. Die Debatte entspann sich schnell zu einer Betrachtung auf die sogenannte Ex-Jugo-Nostalgie, die Frage, ob und wieso bzw. wieso nicht Jugoslawien ein Thema in der Arbeit der jungen SchriftstellerInnen ist, wurde ausgiebig besprochen, was aus zeitlichen Gründen leider nur wenig Raum für andere Inhalte übrig ließ.
Bisher wurde kein Werk der vier jungen gastierenden AutorInnen ins Deutsche übersetzt, da die deutschsprachige Literaturlandschaft diesem „Projekt“ eher verhalten gegenüberzustehen scheint. Dies sollte jedoch schnellstmöglich geändert werden, denn slowenische Literatur hat einen berechtigten Stellenwert in der europäischen Kulturlandschaft, was nun einmal auch dem Publikum in Österreich, Deutschland und der Schweiz verdeutlicht werden soll. Denn auch wenn Slowenien geografisch klein ist, so gehört es geistig und kreativ betrachtet schon lange zu den Großen.
Goran Vojnović (geb. 1980 in Ljubljana), Autor, Journalist, Regisseur; erhielt für sein Debut Čefurji raus! 2009 den Kresnik-Preis für den besten slowenischen Roman, 2011 erschien Jugoslavija, moja dežela (Jugoslawien, mein Heimatand).
Goran Vojnović, Aus: Jugoslawien, mein Heimatland (PDF, 82kb)
Katja Perat (geb. 1988 in Ljubljana), studiert Literaturwissenschaft in Ljubljana; veröffentlichte 2011 den preisgekrönten Lyrikband Najboljši so padli (Die Besten sind gefallen).
Nejc Gazvoda (geb. 1985 in Novo mesto), studierte an der Akademie für Theater, Radio, Film und Fernsehen; mehrfach ausgezeichneter Prosa- und Drehbuchautor und Filmemacher; veröffentlichte Kurzgeschichten und Romane.











