16. 5. 2012, 19:00

Urban Furrows @ Soho in Ottakring

Ragnarhof, Grundsteingasse 12, 1160 Wien
Wien

Dass der Titel „Kulturhauptstadt“ nicht zwangsläufig nur Positives und Schillerndes bedeuten muss, davon zeugte im Rahmen von Soho in Ottakring die Diskussion Europäische Kulturhauptstädte: Wie viel Milch gibt die heilige Kuh? Im Vorfeld zur Debatte wurde der Film Liverpool 2008. Capital of Vulture von Jürgen Cyranek, Rebecca Cyranek, Claudia Christen (CityPicture/UK) vorgeführt, in dem verschiedene Seiten und Erfahrungen während Liverpools Zeit als Kulturhauptstadt beleuchtet werden. Die Stadtleitung sowie einige Theoretiker empfanden diesen Titel als ganzjähriges Festival mit Anlass für eine Imageveränderung, und auch die Möglichkeit für neue Investitionen sowie die Kultur als Entwicklungsanreiz spielten eine wichtige Rolle. Die Künstler selbst jedoch haben gänzlich andere Erinnerungen an dieses Jahr: Sie mussten das Stadtzentrum verlassen, ihre Studios räumen, und nach Ablauf des Jahres wurden ihnen die finanziellen Mitteln teils gekürzt, teils gänzlich gestrichen.

Die anschließende Diskussionen wurde von Elke Rauth, Redakteurin des Magazins dérive und Leiterin des Festivals Urbanize!, geleitet, Diskutantinnen waren die Leiterin des Projekts Urban Furrows, Dr. Marta Gregorčič, und die Politologin Dr. Monika Mokre. Mit Graz im Jahre 2003 und Linz 2009 hatte Österreich bisher bereits zwei Kulturhauptstädte, wobei die Unterschiede und etwaigen Probleme dieser beiden Großveranstaltungen diskutiert wurden, doch auch das Gesamtprojekt Europäische Kulturhauptstadt wurde kritisch beleuchtet. Dr. Mokre kam zu dem Schluss, dass der eigentliche Beweggrund – Festigung der europäischen Identität – inzwischen mehr und und mehr in den Hintergrund gerückt ist und die Motivation nunmehr die Geschichte der einzelnen Stadt ist. Es habe den Anschein, dass es mittlerweile darum geht, eine Balance zwischen „der europäischen Identität und dem Nichtverletzen von nationalen Gefühlen“ zu finden. Jedoch steigt das Interesse am Projekt Europäische Kulturhauptstadt stetig, die Anmeldungen werden von Jahr zu Jahr mehr. Dr. Gregorčič strich Maribors Besonderheiten hervor, das sie als „verletzte Stadt“ bezeichnete, die in den letzten 20 Jahren von einem Drittel der Bevölkerung verlassen wurde und ebenfalls die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommt. Da es laut Dr. Gregorčič schwer sei, in so einer Stadt kreativ zu sein, ist das Projekt Urban Furrows langfristig und nachhaltig konzipiert: Es gehe darum, auf lokaler Ebene auf Herausforderungen zu reagieren, auf die es auf europäischer und globaler Ebene noch keine Reaktionen gibt und zugleich zu gewährleisten, dass die während des Kulturjahres ausgelösten Prozesse auch in Zukunft bestehen werden. Die lokale Nahrungsversorgung zeige bereits gute Resultate, ebenso die Projekte mit der Roma-Gemeinschaft: Im Herbst erscheint der erste Roman auf Slowenisch und Romanes sowie der erste auf ausschließlich Romanes. Dr. Mokre betonte zum Schluss, dass das Projekt Urban Furrows die tatsächlichen Probleme der Stadt beim Namen nennt und dass das Projekt allein schon deswegen interessant ist, weil es nicht aus der Annahme heraus agiert, kulturelle Kreativität per se würde die Entwicklung vorantreiben, sondern weil es auf der realen Situation und aktuellen Verhältnissen basiert. Damit schaffe Urban Furrows neue Konzepte und neue Hoffnungen.

Eine Kooperation  mit Soho-in-Ottakring und FOKUS.

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