Silvester Plotajs Sicoe malt schon seit mehreren Jahren in strahlenden, reinen Farben. In seinen Arbeiten vor 2002 sind noch dumpfe Töne erkennbar, sie erinnern dabei an einen akademisch herben Ausdruck, den wir aus unserem Umfeld sehr gut kennen und der oftmals Wirkung zeigt, als wolle er sagen: „Jetzt mal im Ernst!“
In der letzten Phase wurden die Farben mediterraner, offener und erscheinen in reinen Kontrasten. Doch es wäre zu oberflächlich, die Lebensfreude ausschließlich der Farbauswahl zuzuschreiben. Es hat eher den Anschein, als wären die Farben nur den Emotionen, Gedanken und der Stimmung des Künstlers gefolgt, der schon in seinen früheren Phasen seine Liebe zu lebenslustigem und ausgelassenem Humor unter Beweis stellt. Mit Satire, die niemals dumpf, ironisch ist, verflicht er seine intime Welt mit der Außenwelt. Diese Außenwelt sind nicht nur konzeptuelle Verbindungen, die mit Worten und Bildtiteln Ideen, Gestalten und Geschichten miteinander kombinieren, die der Künstler erlebt hat. Diese Welt sind vor allem die Betrachter, für die die Bilder gedacht sind, und zwar mit Gestalten und Geschichten, die wir gemein haben. Die Titel, die Sicoe konsequent auf das Bild schreibt, wiederholen oft das Offensichtlichste, was der Betrachter jedoch auf der Suche nach einem tieferen Sinn übersehen könnte. In anderen Fällen fasst er mit Titeln eine Idee in Worte, die als zufällige Assoziation während des kreativen Prozesses auftauchte. Tautologien beenden somit das Vortäuschen und theoretisches Gelaber um den heißen Brei. Wir haben das Kind beim Namen genannt und dabei zumindest gelächelt. Doch das bedeutet nicht, dass die Reise hier endet. Wenn wir erkennen, wo wir stehen, sind wir erst am Anfang und machen uns entspannt und offen für Überraschungen und Improvisationen auf den Weg. Die geistigen Welten, die wir auf dieser Reise besuchen und entdecken, sind keine vorhersehbaren autoritären Systeme von Kontrolle und Abstinenz, sondern befreite Sprünge ins Unbekannte. Und für Bruchlandungen ist, im Stil indianischer Schamanen, Lachen die beste Medizin.
Die Darstellung von Körpern in Sicoes Bildern ist äußerst ungewöhnlich. Schon mit der hypnotischen Verwendung von Farben entfernt er sich vom irdischen Realismus und nähert sich der Traumwelt sowie der Zeit der Mythen. Ohne surrealistisches Interesse verbinden sich die Gegenstände (Körper) aus dem wahren Leben des Künstlern mit einem imaginären Raum. Die Perspektive, die wir vom klassizistischen Hinblick kennen, spielt hier keine Rolle. Alles ist hart und zugleich formbar. Die Drehungen der Körper und der Blick darauf sind von kindlicher Einfachheit und echter Wahrhaftigkeit, der Raum auf dieselbe Weise undefinierbar und zugleich gegenwärtig und bewohnbar. Dichte und Undurchsichtigkeit der Farbschichten vermag den Eindruck von Fixiertheit zu vermitteln, das Gefühl, dass den Bildern keine Bewegung inne ist. Doch das ist nur die kindliche Einfachheit der Darstellung des Lebensprozesses, den der Betrachter selbst erleben, selbst untersuchen muss. Die Dynamik versteckt sich in den Wegen, die die symbolische Gestalt bereitstellt. Wie auch der Tanz des Schamanen nur die Tür zur Welt der geistigen Suche öffnet, zeigt sich auch in Sicoes Bildern nur ein angehaltener Augenblick, der paradoxal – weil er aus der Gefangenschaft der Zeit ausbricht – Raum schafft für die Verdoppelung des Betrachters in einer neu kreierten Welt.
Vasja Nagy











