25. 6. – 3. 9. 2014

21. Century Angel. Ausstellung von Eva Petrič, Eröffnung am 24. Juni um 19 Uhr

Bildraum 07, Burggasse 7-9
1070 Wien

Wandeln Engel unter uns und wenn ja, wie sehen diese Engel aus? Diese Fragen richtet Eva Petrič an die Besucher der Ausstellung „21. Century Angel“ im Bildraum 07 und gibt eine mögliche Antwort.

Für die in Slowenien geborene Künstlerin, die spartenübergreifend in den Bereichen Installation, Fotografie, Video, Film und Malerei arbeitet, ist unser aller Schutzengel das körpereigene Immunsystem. Bei Petrič tritt es in einer Doppelrolle auf, die in Rauminstallationen und von Fotoserien reflektiert wird. Das Immunsystem, nicht ertastbar oder sichtbar, dennoch aber von überlebensnotwenigem Schutz vor Krankheitserregern, freien Radikalen, oder den Pollen des Birkenbaumes in Nachbars Garten, wird bei Petrič zu einem Inbegriff des einerseits Guten, das gepflegt und geachtet, schützend seine Flügel über uns breitet.

Doch ähnlich unserer Atmung agiert das Immunsystem in Eigenregie, wir können es weder steuern, noch seine Effektivität einfordern. Nicht nur in der Weltauffassung des frühen Christentums versagt das Gute dann und wann und fällt, vom Göttlichen verstoßen, einem harten Aufprall entgegen. Was passiert nun wenn uns unser Immunsystem kündigt, wenn der Körper den Körper verstößt? In den Fotografien aus der Serie „AngelHound“ wird die Künstlerin selbst zum gefallenen Engel, zur Autoimmunerkrankung, zur Rebellin gegen sich selbst.

In Wechselwirkung mit den Fotoserien setzen sich Eva Petričs Installationen „The Giver“ und „The Keeper“, sowie das Lichtobjekt „Soul“, mit dem Thema Organtransplantation auseinander. Die beiden Installationen aus der Serie „Hematoma“, aus Häkeldecken zusammengefügt, repräsentieren organisches Gewebe, Nervenbahnen und Blutgerinnsel. Sie symbolisieren Ende und Anfang, Stillstand und pulsierendes Leben. „21. Century Angel“ spannt einen Bogen zur Geschichte der Organtransplantation und den damit verbundenen Fortschritten in der medizinischen Forschung. Das Jahr 2014 markiert das 60. Jubiläum der ersten erfolgreichen Nierentransplantation, durchgeführt in Boston an einem Zwillingspaar von dem späteren Nobelpreisträger Dr. Joseph Murray. Zuvor scheiterten weltweit Wissenschaftler und Ärzte an der Abstoßung des eingepflanzten Gewebes. Als Grund dafür wurde ein aktiver Immunisierungsmechanismus erkannt. So kam es, neben der Gefäßchirurgie, auf dem Fachgebiet der Immunologie zu einem Wissenssprung von dem heute eine breite Masse an Patienten profitiert.

Der für Petrič charakteristische Einsatz von Garn als leicht transparentes Trägermaterial ihrer jüngsten Rauminstallationen, sowie die Komplementierung der Ausstellung durch Fotografien, dienen der Erweiterung des bestehenden Raumes um einen imaginären und metaphorischen Raum. Unweigerlich begegnen rund um das Thema Organspende und Transplantation tiefere Sinn,- und Existenzfragen: Wo im Körper befindet sich meine Seele? Welcher Teil vom Ich wird zum Du, welcher Teil vom Du zum Ich, wenn mein Herz in deiner Brust weiter schlägt? Das sogenannte Leib-Seele-Problem, über die Zeit mehrfach diskutiert von Größen wie Aristoteles, Seneca, Descartes, Hobbes und Brentano, zählt zu den wichtigsten philosophischen und religiösen Fragen der Menschheit. Als möglicher Sitz der Seele nannte eine Vielzahl europäischer Gelehrter das Herz, für Vertreter der traditionellen chinesischen Medizin ist es die Leber, und die Lunge, als Flügel der Seele bezeichnet, spielte eine tragende Rolle im Altertum.

Auch in der Ausstellung „21. Century Angel“ wird der Diskurs nach dem Verbleib der Seele wiederbelebt. Besonders die auf einen Lichtkubus aus Plexiglas angebrachte Fotografie „Soul“ nennt die Thematik beim Namen. Eva Petrič konzentriert die Momentaufnahme auf den unmittelbaren Akt der Organentnahme und auf die Anordnung der Chirurgenhände. Rohheit, Brutalität, aber auch Effizienz, beschreiben in „Soul“ den Akt der Schöpfung, wie auch jenen der Zerstörung. Durch die Überlagerung mehrerer Bilder entstehen verschiedene Ebenen, die einen Blick auf unterschiedliche Aspekte der Wirklichkeit zulassen. Schemenhaft begegnet dem Betrachter eine Schattenfigur – vielleicht ein Engel, vielleicht die Seele, wie sie der klaffenden Wunde entsteigt, während der Operation selbst neu geboren wird.

  • Eröffnung: Dienstag, 24. Juni um 19 Uhr
  • Begrüßung: Mag. Günter Schönberger, Bildrecht
  • Zur Ausstellung: Prof. Joachim-Lothar Gartner, Bildender Künstler
  • Zur Thematik: Prof. Dr. Andreas Zuckermann, Leiter der Transplantationsambulanz, AKH Wien
  • u.A.w.g.: anmeldung@bildrecht.at, T +43 1 8152691

Im Rahmen der Ausstellung wird in Kooperation mit Tanz*Hotel Wien eine Performancereihe unter der choreografischen Leitung von Bert Gstettner an drei Abenden im Bildraum 07 zu sehen sein.

  • Titelmotiv: Eva Petrič. The Giver, Hematoma Serie, 2013
  • Häkelgarn und Videoloop. © Bildrecht, Wien 2014
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