The Century of the Bed: curated by_Alenka Gregorič
Die Galerie Ernst Hilger ist auch heuer wieder Teil der Ausstellung curated by_vienna, die im Rahmen der Viennafair von departure organisiert wird. Alenka Gregorič kuratiert die Ausstellung für die Galerie Ernst Hilger und zeigt darin Positionen der slowenischen KünstlerInnen bzw. in Slowenien lebenden KünstlerInnen IRWIN (Dušan Mandič, Miran Mohar, Andrej Savski, Roman Uranjek, Borut Vogelnik) und Vuk Ćosić.
Points of View – Perspektiven
Vuk Ćosić, Fokus Grupa, Alfred Hrdlicka, IRWIN, Ilya & Emilia Kabakov, Anton Kannemeyer, Vlado Martek, Mladen Stilinović, Raša Todosijević
„Der Kunsthistoriker Ernst Gombrich schrieb, dass die Bildwahrnehmung ein komplexer Prozess ist, der sich zahlreicher angeborener und erlernter Ressourcen bedient. Der Wahrnehmungsprozess besteht aus mehreren Stufen, die zusammen einen so genannten „Wahrnehmungszyklus“ bilden. Dieser ist ein zirkulärer Informationsfluss, der zwischen dem Organismus und seiner Umwelt stattfindet, und bei dem jede Handlung die Umwelt so verändert, dass durch neuerliche Informationsaufnahme weitere Handlungen nötig werden. Komplexe Zusammenhänge sind auch der Ausgangspunkt des diesjährigen Konzepts von curated by. Das Bett als Beherrscher unseres Lebens – das Bett, in dem wir immer mehr Zeit zubringen. Was man über das Bett denkt, hängt jedoch von der Perspektive des Einzelnen und seinem historischen, geografischen und gesellschaftlichen Hintergrund ab. Im Bett verschwimmen die Grenzen zwischen privat und öffentlich, zwischen Reglosigkeit und Handlung. Das Bett kann wie ein Gefängnis erscheinen, in dem wir unser halbes Leben verbringen. Diese Probleme sind jedenfalls dezidiert Probleme der westlichen, der „ersten“ Welt.
Im Bett wird indes auch tatsächlich gearbeitet, und zwar auf vielfältige Art. Eine Person zeichnet im Bett zum Beispiel das Modell eines neuen Fußballs, der dann auf der anderen Seite der Welt von jemand anderem nach ihren Plänen hergestellt wird. Im Herstellungsprozess eines materiellen Dings ist hier das Bett kein Luxus, sondern integraler Bestandteil der Produktionskette. Untätiges Herumlungern im Bett gilt heute allenthalben als Luxus. In einer Zeit, der es fast ausschließlich um Produktivität geht, gilt Faulheit dementsprechend als verabscheuungswürdig. Und das ist der Grund, warum Mladen Stilinovićs Spruch „Ohne Faulheit keine Kunst“ in der modernen marktorientierten Kunstwelt mit ihrer Hyperproduktivität immer noch wichtig ist. Das Bett als Ort zum Träumen oder als Kritik am kapitalistischen Kulturparadigma? Vuk Ćosić und die Gruppe Irwin gehen jedenfalls nicht von der Annahme aus, dass das Bett ein Sehnsuchtsort sei. Auch Raša Todosijevićs vielsagend Schlafflage betiteltes Werk entfaltet erst im Kontext betrachtet seine Kritik. Poetische Nebentöne wiederum sind der Schlüssel zu den Arbeiten Vlado Marteks, während man bei der Fokus Grupa unmissverständlich eine Polemik auf utopische Geschichtsvorstellungen erkennen kann.
„Kunst steht immer im Kontext von Raum, Zeit und Präsentationsform. Ihr Kern besteht darin, dass alles auf die Perspektive ankommt.“ (Alenka Gregorič. Sie ist seit 2009 künstlerische Leiterin und Kuratorin der City Art Gallery Ljubljana.)



